Peter Scherer verbindet Theorie und Praxis bewusst. Als Teil der Geschäftsleitung der Righetti Partner Group, als Professor an der FHNW im Bereich Virtual Design and Construction sowie als Projektleiter und Moderator. «Ich geniesse die Kombination aus akademischer Arbeit und Praxistätigkeit. Zwei Dinge, die zusammengehören, in unserer Branche meist getrennt betrachtet werden.»
Für ihn ist Theorie kein Selbstzweck, sondern verdichtete Erfahrung aus der Praxis.
Peter: «Die eine Welt bringt die Mechanismen, die andere setzt um. Ich finde das Spannungsfeld sehr bereichernd. Die Studierenden an der Hochschule brauchen die Grundgesetzte unserer Praxis, damit sie später eine Wirkung in der Praxis erzielen können.»
Schulungsformate gibt es viele. Auch bei der Righetti Partner Group. Von Inhouse-Schulungen über SIA-Tageskurse bis hin zu Formaten an Hochschulen. Man könnte das Angebot problemlos bündeln und als klassische Schulungsleistung strukturieren.
Peter sieht den Kern jedoch an einem anderen Ort: «So verstehen wir Befähigung nicht. Reine Wissensvermittlung reicht nicht aus, damit Menschen in Projekten ihre Handlungsfähigkeit verbessern. Man kann denken, ein Thema zu verstehen, ob man es wirklich verstanden hat, zeigt sich in der Anwendung.»
Befähigung beginnt für ihn nicht im Seminarraum, sondern im Projekt.
In vielen Projekten fehlen nicht Ziele, sondern Fähigkeiten. Fähigkeiten im Anwenden und Durchsetzen von Methoden, Fähigkeiten im eigenen Handeln. Fähigkeiten entwickeln sich durch Anwendung, Wiederholung und bewusste Reflexion, nicht durch Zuhören allein.
Peter: «Durch Reflexion. Durch das Bewusstsein, selbst etwas erreichen zu wollen. Und durch die Offenheit, alltägliche Prozesse in einem Projekt zu verändern.»
Stösst ihr dabei nicht oft auf Widerstand?
Peter: «Doch. Das ist normal. Veränderungen gestalten wir gemeinsam. Zu Beginn stimmen wir die Vorgehensweise im Team ab und setzen sie für einen klar definierten Zeitraum um. Zum Beispiel drei Monate. Danach reflektieren wir gemeinsam, wie sich die neue Methode im Alltag bewährt hat.»
Der nächste Schritt ist zentral. Alte Gewohnheiten loslassen.
Peter: «Man kann nicht Neues integrieren und gleichzeitig alles beim Alten lassen. Es geht nicht darum, alles neu zu machen, sondern gezielt neue Vorgehensweisen einzuführen und nachvollziehbar zu begleiten.»
Wo siehst du Parallelen und Unterschiede zwischen Lernen in der Schule und Lernen im Arbeitsalltag?
Peter: «In der Schule ist Lernen oft theoretischer. Die Konsequenzen sind weniger direkt spürbar. In der Praxis haben Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen. Lernen wird dadurch emotionaler und persönlicher.»
Du verwendest im Unterricht das Beispiel des Fahrradfahrens. Was zeigt dieses Bild?
Peter: «Fahrradfahren lernt man, indem man aufsteigt, das Gleichgewicht verliert und es erneut versucht. Erst durch Tun entsteht Können.»
Auf seinem LinkedIn‑Profil zitiert Peter den Satz Culture eats strategy for breakfast.
Peter: «Er erinnert mich daran, dass Strategien wirkungslos bleiben, wenn sie nicht gelebt werden. Kultur entsteht durch Handeln, nicht durch Konzepte oder Papiere.»
Du hast Befähigung als strategisches Risikomanagement bezeichnet.
Peter: «In Systemen mit vielen Menschen entstehen Risiken durch fehlendes Verständnis und mangelnde Handlungskompetenz. Befähigung hilft, diese Risiken zu reduzieren.»
Befähigung ist nicht an Schulungen gebunden. Sie findet im Projekt, im Meeting und im Alltag statt.
Ein Beispiel erlebt Peter auch zu Hause, als Vater: «Mein Sohn löst eine Mathematikaufgabe im Kopf. Er ist überzeugt, dass sie stimmt. Erst wenn er sie aufschreibt, zeigt sich, ob sie wirklich verstanden wurde.»
Warum reicht es nicht, Projekte zu begleiten?
Peter: «Viele Herausforderungen sind strukturell. Fehlen Fähigkeiten, wiederholen sich Probleme. Befähigung wirkt nachhaltiger, weil sie Menschen und Organisationen langfristig stärkt. Ohne Anwendung bleibt Wissen abstrakt. Ohne Reflexion bleibt Erfahrung beliebig.»
Welche Rolle spielen Fehler im Lernen?
Peter: «Fehler sind notwendig. Ohne Fehler gibt es keinen Fortschritt.»
Warum ist der Umgang damit oft schwierig?
Peter: «Weil Fehler häufig mit Schuld verbunden werden. Ohne psychologische Sicherheit wird Lernen blockiert.»
Warum befähigen wir bewusst als Unternehmen?
Peter: «Weil Befähigung nachhaltiger wirkt als reine Problemlösung.»
Was Peter beschreibt, ist genau das, was wir unter Befähigung verstehen. Nicht Wissen vermitteln, sondern Wirkung ermöglichen. Nicht Konzepte schreiben, sondern Projekte bewegen.





